Christen jüdischer Herkunft

Der Arbeitskreis und sein Wirken (2004-2008)

Den Anstoß zur Bildung des Arbeitskreises gab das Schuldbekenntnis in der Predigt, die Bischof Wolfgang Huber am Buß- und Bettag 2002 in der Zehlendorfer Pauluskirche gehalten hat. Zentrales Thema seiner Bußpredigt war das Schicksal von Christen jüdischer Herkunft in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.

Der AK war ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern  unter-schiedlichster Berufe aus zwölf evangelischen Kirchengemeinden Berlins. Nähere Informationen zur Zusammensetzung der Gruppe, auch eine Übersicht der am Arbeitskreis beteiligten Gemeinden, finden Sie hier.

Von 2004 bis 2008 forschten die Ehrenamtlichen nach jenen bislang völlig vergessenen rassisch verfolgten Mitchristen jüdischer Herkunft, die zu ihren Gemeinden gehört hatten.

Ausgehend von Taufbucheintragungen mit der Angabe „mosaisch“ bei der Religion mindestens eines Elternteils, ging man vor allem den Lebenswegen von deportierten und in den Lagern ermordeter Christen jüdischer Herkunft nach. Zeitzeugen wurden gesucht und gefunden.

Wesentliches Ziel war es, an die vergessenen Opfer zu erinnern, ihre Namen zu nennen und aus den dokumentierten Bruchstücke ihres Lebens in  Dokumenten und Datenbanken Ausschnitte ihrer Biographien zu fügen. In Gottesdiensten und auf Gemeindeveranstaltungen, in Gemeindeblättern, in Broschüren und in Ausstellungen wurde der Ermordeten gedacht, die die Kirche fallengelassen und selbst aus ihren Reihen vertrieben hatte. Am 21.Juni 2008 beschäftigte sich ein Artikel der TAZ mit der Arbeit des Arbeitskreises.

Der Arbeitskreis hofft, dass weitere Kirchengemeinden auf den beschriebenen Recherchewegen den Spuren ihrer von der Kirche weitgehend verlassenen Gemeindegliedern folgen werden.

Die bleibenden Ergebnisse der Projektarbeit bestehen aus einer weiter unten beschriebenen Buchpublikation sowie der von der Kreuzberger St.Thomas-Gemeinde erarbeiteten ausleihbaren Wanderausstellung „Getauft – verstoßen- deportiert“.

Außerdem wurde der Gedenkort Messiaskapelle geschaffen.

Veröffentlichungen

Als Zwischenergebnis erschien 2007 im Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte der Artikel von Gerlind Lachenicht: „Getauft und deportiert“. Dieser bildete die Diskussionsgrundlage für einen Workshop, der im Sommer 2007 von der Historischen Kommission zu Berlin durchgeführt wurde.
Als Endergebnis und Abschluss der gemeinsamen Arbeit publizierte der Arbeitskreisanlässlich des 70. Jahrestags der Reichspogromnacht das Buch „Evangelisch getauft – als Juden verfolgt. Spurensuche Berliner Kirchengemeinden.“ Die 700 Exemplare der ersten Auflage waren binnen eines Monats vergriffen.

Als Leseprobe finden Sie an dieser Stelle einen am 9.November 2008 in der Zeitung „Die Kirche“ abgedruckten Artikel über den 1911 getauften und 1943 in Theresienstadt ums Leben gekommenen Arzt Paul Kuttner.

In dem Buch werden die Namen und Rechercheergebnisse von über 300 deportierten Christen jüdischer Herkunft genannt und einzelne Biographien detailliert dargestellt.

Auflistung der deportierten Christen jüdischer Herkunft (Link?)